Skip to main content
Alle BeiträgeAnleitungen

GPSR im JTL-Shop: Pflichten, Wawi-Felder und Marktplatz-Übermittlung (2026)

Wie Sie die GPSR im JTL-Ökosystem umsetzen: native Felder in JTL-Wawi ab 1.9.6.0, Darstellung im JTL-Shop, Übermittlung an Amazon, eBay und Kaufland sowie die häufigsten Stolperfallen.

EUProof11 Min. Lesezeit
Ein Händler arbeitet am Schreibtisch an einem Warenwirtschaftssystem auf zwei Monitoren, daneben Versandkartons.

Wenn Sie Ihren Shop mit JTL betreiben, stellt sich die Frage nach der GPSR nicht abstrakt, sondern sehr konkret: In welches Feld kommt die verantwortliche Person, warum erscheint der GPSR-Block nicht auf der Artikelseite, und weshalb landet bei Amazon nur die E-Mail-Adresse statt der vollen Anschrift? Dieser Beitrag beantwortet genau diese Fragen. Was die Produktsicherheitsverordnung inhaltlich verlangt, fassen wir hier nur kurz zusammen. Der Schwerpunkt liegt auf der Umsetzung im JTL-Ökosystem aus Wawi, Shop und eazyAuction.

Was die GPSR von Online-Händlern verlangt

Die Verordnung (EU) 2023/988 über die allgemeine Produktsicherheit gilt seit dem 13. Dezember 2024 und ersetzt die alte Produktsicherheitsrichtlinie. Sie gilt unmittelbar in allen Mitgliedstaaten, und sie kennt keine Ausnahme für Kleinunternehmer oder handgemachte Ware. Für Sie als Händler bedeutet das vier praktische Pflichten, die im JTL-Shop sichtbar werden müssen.

  • Herstellerangaben: Name, ladungsfähige Postanschrift und elektronische Adresse des Herstellers gehören gut sichtbar in jedes Produktangebot.
  • Verantwortliche Person: Sitzt der Hersteller außerhalb der EU, muss eine in der EU niedergelassene verantwortliche Person benannt werden, mit Name, Anschrift und E-Mail (Artikel 16).
  • Warn- und Sicherheitshinweise: Produktspezifische Warnungen, etwa Altersbeschränkungen, müssen direkt im Angebot stehen.
  • Produktidentifikation: Typen-, Chargen- oder Seriennummer zur Rückverfolgbarkeit gehören nach Artikel 9 auf das Produkt selbst.

Die GPSR ist keine theoretische Anforderung. Sie wird seit dem Stichtag durchgesetzt, und Verstöße können Abmahnungen, Maßnahmen der Marktüberwachung oder Verkaufsverbote nach sich ziehen. Die eigentliche Herausforderung im JTL-Alltag liegt nicht im einzelnen Artikel, sondern in der wartbaren und skalierbaren Datenpflege über das gesamte Sortiment. Welche Angaben genau in das Angebot gehören, lesen Sie in unserem Überblick zu den Herstellerangaben und zur GPSR-Informationspflicht.

Die JTL-Welt: Wawi, Shop und eazyAuction

JTL ist kein einzelnes Programm, sondern ein Ökosystem aus mehreren Komponenten, die im GPSR-Kontext zusammenspielen. Wer den Zusammenhang versteht, sucht den Fehler an der richtigen Stelle.

Die JTL-Wawi ist das Herzstück. Hier pflegen Sie alle artikelbezogenen Daten zentral, einschließlich der neuen GPSR-Felder. Native Unterstützung gibt es erst ab Version 1.9.6.0. Bis 1.9.5.x bleibt nur der Workaround über Funktionsattribute. Ab 1.9.6.0 stehen erste Oberflächen für Hersteller und verantwortliche Personen bereit, ab 1.9.6.1 ist die vollständige Übermittlung an Amazon verfügbar, und 1.9.6.5 bringt Fehlerbehebungen und eine bessere Zuordnung von Herstellern und verantwortlichen Personen.

Der JTL-Shop (Version 5) ist das Frontend, in dem die GPSR-Informationen für den Endkunden sichtbar werden. Ohne korrekte Template-Anpassung oder ein GPSR-Plugin erscheinen die Angaben dort schlicht nicht. JTL-eazyAuction schließlich verwaltet Ihre Angebote auf Marktplätzen wie Amazon, eBay, Kaufland und Otto. Ab Version 1.9.6.0 übermittelt es GPSR-relevante Attribute direkt an diese Plattformen. JTL hat das so angekündigt: Mit Wawi 1.9.6.0 lassen sich die GPSR-relevanten Informationen direkt in der Wawi verwalten und an die unterstützten Marktplätze übermitteln.

Native GPSR-Felder in der JTL-Wawi

Seit Version 1.9.6.0 pflegen Sie die Pflichtangaben an zwei Stellen. Die Herstellerdaten tragen Sie beim jeweiligen Hersteller im Reiter Kontakt ein: Name, Postanschrift und elektronische Adresse. Diese Werte füttern später die GPSR-Box auf der Artikelseite. Ein Dienstleister beschreibt den Ablauf so: Sie pflegen die Daten beim Hersteller im Reiter Kontakt, und im Menü Artikel gibt es die Rubrik für den Produktverantwortlichen. Beim Abgleich werden diese Einträge automatisch in Funktionsattribute umgewandelt. Deshalb können Sie die Funktionsattribute nicht mehr einzeln selbst anlegen.

Die zweite Stelle ist die verantwortliche Person. Für Hersteller außerhalb der EU müssen Sie zwingend eine in der EU niedergelassene verantwortliche Person anlegen und dem Artikel zuweisen. Genau hier scheitern viele Händler im Alltag, weil sich die verantwortliche Person nicht exportieren lässt und die Einzelpflege bei einem großen Sortiment unzumutbar ist. Ein Händler im Forum brachte es auf den Punkt: Die verantwortliche Person stehe schon drin, aber wie bekomme er sie in alle Produkte importiert, jede einzeln öffnen? Exportieren lasse sie sich nicht, das sei das eigentliche Problem.

Für die Massenzuweisung gibt es zwei Wege. Empfohlen für große Datenmengen ist der Import per JTL-Ameise. JTL stellt dafür eine eigene Anleitung bereit, mit der sich Hersteller und verantwortliche Personen über Import den Artikeln zuordnen lassen. Wer lieber im Programm bleibt, nutzt den Community-Trick: einen Artikel mit zugewiesener verantwortlicher Person markieren, per Rechtsklick die Stammdaten kopieren, dann mehrere andere Artikel mit derselben verantwortlichen Person selektieren, Stammdaten einfügen und dort gezielt den Punkt verantwortliche Person auswählen. Was die Rolle der verantwortlichen Person rechtlich bedeutet, erläutern wir in unserem Beitrag zur verantwortlichen Person.

GPSR-Daten an die Marktplätze übermitteln

Über eazyAuction reichen Sie die Daten an die Marktplätze weiter. Der Stand ist je nach Plattform unterschiedlich. Bei eBay läuft die Übertragung nach Erfahrungsberichten problemlos. Bei Kaufland funktioniert sie ebenfalls, sofern die Verkaufskanalverknüpfungen korrekt angelegt sind. Otto und Voelkner haben die Attribute hinterlegt. Der Sonderfall ist Amazon.

An Amazon übermittelt die JTL-Wawi nur die E-Mail-Adresse des Herstellers oder der verantwortlichen Person. Amazon gleicht diese Adresse anschließend mit den in Seller Central hinterlegten Kontaktdaten ab. Daraus folgt eine simple, aber leicht übersehene Regel: In JTL-Wawi und in Seller Central muss dieselbe E-Mail-Adresse gespeichert sein, sonst greift der Abgleich nicht. Für die Übermittlung selbst brauchen Sie mindestens Wawi 1.9.6.1, gepflegte Hersteller-Kontaktdaten, eine Herstellerzuweisung an jedem GPSR-relevanten Artikel und, bei Nicht-EU-Herstellern, eine zugewiesene verantwortliche Person. Setzen Sie dann den GPSR-Status des Amazon-Angebots auf Ja, übermittelt die Wawi die dem Artikel zugewiesenen GPSR-Kontaktdaten.

Wenn die Daten in JTL korrekt stehen, aber bei Amazon oder Kaufland nicht ankommen, lohnen drei Kontrollen. Prüfen Sie zuerst die Verkaufskanalverknüpfungen, denn ein Servicepartner im Forum führte genau das als Ursache an. Prüfen Sie zweitens, ob jedem Artikel ein Hersteller explizit zugewiesen ist. Kontrollieren Sie drittens den GPSR-Status in den Verkaufskanaldaten unter Artikelstammdaten, Verkaufskanäle, und stellen Sie dort die Option "Keine Produktdaten senden" auf Nein.

Darstellung im JTL-Shop: Plugin oder Template

Im Shop müssen die GPSR-Angaben gut sichtbar auf der Produktdetailseite stehen. Ein versteckter PDF-Link im Download-Bereich reicht rechtlich nicht aus, weil Kunden die Informationen ohne Suche finden müssen. Für die Ausgabe gibt es zwei Wege.

Das offizielle JTL GPSR Plugin ist kostenlos, im JTL-Extension-Store erhältlich und über den Plugin-Manager des Shops installierbar. Es gibt Herstellerangaben und Sicherheitsinformationen auf der Artikeldetailseite aus. Eine Einschränkung sorgt regelmäßig für Verwirrung: Hat ein Artikel keine Hauptbeschreibung, blendet das Plugin den GPSR-Bereich aus. Der JTL-Support hält das für korrekt und kein technischer Fehler, weil laut GPSR ohnehin immer eine ausführliche Beschreibung vorhanden sein müsse. Aus der Community kommt der berechtigte Einwand, dass sich die Beschreibungspflicht auch über Kurzbeschreibung, Bilder, Merkmale oder einen PDF-Anhang erfüllen lässt und es sich daher mindestens um einen dokumentierungswürdigen Seiteneffekt des Plugins handelt. Der praktische Ausweg: Pflegen Sie eine Hauptbeschreibung oder verschieben Sie die Anzeigeposition des GPSR-Blocks im Plugin, etwa nach der Bewertung statt nach der Beschreibung.

Daneben gibt es kostenpflichtige Drittanbieter-Plugins, etwa von Dein Consultant oder NETZdinge. Sie synchronisieren die Daten automatisch aus der Wawi, beherrschen Mehrsprachigkeit und lassen sich per HTML gestalten. Wer Erfahrung mit der JTL-Template-Struktur hat, kann die Angaben auch ohne zusätzliches Plugin direkt über die Herstellerbeschreibungsfelder im Template ausgeben. Diese Variante ist oft wartungsärmer, setzt aber technisches Know-how voraus. Achten Sie bei jeder Lösung darauf, ob Marken- und Firmenname sauber getrennt werden, denn ein bekannter Fehler zeigt den Markennamen statt des rechtlich nötigen Firmennamens an.

Häufige Stolperfallen und ihre Lösungen

Vier Probleme tauchen im JTL-Forum immer wieder auf. Erstens der fehlende GPSR-Block, fast immer verursacht durch eine fehlende Hauptbeschreibung. Lösung wie oben: Beschreibung pflegen oder Anzeigeposition ändern. Zweitens Daten, die in JTL stehen, aber nicht beim Marktplatz ankommen. Hier sind in der Regel falsche Verkaufskanalverknüpfungen, eine fehlende Herstellerzuweisung oder ein nicht gesetzter GPSR-Status schuld. Drittens das Plugin, das Listenansichten stört, selbst im deaktivierten Zustand. Das deutet auf Template-Konflikte hin. Arbeiten Sie mit einem Child-Template und prüfen Sie die Dateien für die Artikeldetail- und Listenansicht. Viertens die Massenpflege der verantwortlichen Person, die sich nur über den Ameise-Import, das Kopieren von Stammdaten oder, für Fortgeschrittene, den direkten Datenbankzugriff lösen lässt.

Ein bekanntes, noch ungelöstes Thema sind Sicherheitsbilder für Amazon, etwa Warnhinweise als JPG. Diese lassen sich derzeit nicht standardmäßig über JTL an Amazon senden. Der Workaround besteht darin, die Bilder manuell in Seller Central hochzuladen.

Was die GPSR-Daten kostet

Die reinen Softwarekosten sind selten das Problem. Das offizielle Plugin ist kostenlos, die Wawi-Lizenz brauchen Sie für den Shop-Betrieb ohnehin, und eazyAuction lohnt sich für Marktplatz-Verkäufer unabhängig von der GPSR. Drittanbieter-Plugins werden einmalig oder monatlich abgerechnet, eine Agentur-Umsetzung für Template-Anpassungen liegt grob im Bereich von 500 bis 3.000 Euro einmalig.

Der eigentliche Kostenfaktor ist die manuelle Datenpflege. Bei einem kleinen Shop unter 500 Artikeln reicht oft die kostenlose Basislösung. Bei großen Sortimenten wird die Einzelpflege schnell unwirtschaftlich, sodass sich der Import per Ameise oder ein gutes Plugin auszahlt. Ein strukturiertes Setup aus sauberer Datenpflege, zuverlässigem Sync und flexibler Darstellung entscheidet langfristig über die Wirtschaftlichkeit. Mehr zur Kostenfrage lesen Sie in unserem Beitrag zu den GPSR-Kosten.

Wo EUProof ins Bild kommt

JTL bringt Ihre Daten in den Shop und an die Marktplätze. Die Pflichtdokumente dahinter erstellt es nicht. Genau dort setzt EUProof an. Wir erzeugen die Unterlagen, die hinter den Pflichtangaben stehen müssen: die Risikobewertung, die technische Dokumentation und die geforderten Sicherheitshinweise, jeweils auf das konkrete Produkt bezogen. Diese Dokumente sind eine interne Betrachtung, keine Zertifizierung, und sie müssen zum Produkt passen. Aufbewahren müssen Sie sie nach Artikel 9 zehn Jahre lang. Eine verantwortliche Person stellt EUProof nicht. Diese benennen Sie weiterhin selbst und tragen sie wie oben beschrieben in der JTL-Wawi ein. Ob Ihr Sortiment überhaupt betroffen ist, klären Sie in zwei Minuten mit unserem Schnelltest.

Dieser Beitrag ist eine allgemeine Orientierung und keine Rechtsberatung. Lassen Sie Ihre Pflichten von einer qualifizierten Fachperson oder Ihrer verantwortlichen Person prüfen.

Schritt für Schritt

  1. JTL-Wawi auf 1.9.6.1 oder höher aktualisieren

    Native GPSR-Felder gibt es erst ab 1.9.6.0, die Amazon-Übermittlung läuft erst ab 1.9.6.1 zuverlässig. Aktualisieren Sie zuerst die Wawi, bevor Sie mit der Datenpflege beginnen.

  2. Herstellerdaten im Reiter Kontakt pflegen

    Tragen Sie Name, ladungsfähige Postanschrift und elektronische Adresse des Herstellers beim jeweiligen Hersteller im Reiter Kontakt ein. Diese Daten werden für die GPSR-Box verwendet.

  3. Verantwortliche Person anlegen und zuweisen

    Bei Herstellern außerhalb der EU legen Sie eine in der EU niedergelassene verantwortliche Person an und weisen sie den Artikeln zu. Für große Sortimente nutzen Sie den Import per JTL-Ameise statt der Einzelpflege.

  4. Darstellung im JTL-Shop einrichten

    Installieren Sie das offizielle GPSR-Plugin über den Plugin-Manager oder passen Sie das Template an, damit die Angaben gut sichtbar auf der Produktdetailseite erscheinen. Achten Sie auf eine vorhandene Hauptbeschreibung.

  5. Übermittlung an die Marktplätze prüfen

    Setzen Sie den GPSR-Status der Angebote in eazyAuction auf Ja und kontrollieren Sie die Verkaufskanalverknüpfungen. Bei Amazon muss die E-Mail-Adresse in Wawi und Seller Central übereinstimmen.

Häufige Fragen

Ab welcher JTL-Wawi-Version kann ich GPSR-Daten nativ verwalten?
Version 1.9.6.0 bringt die ersten nativen Oberflächen für Hersteller und verantwortliche Personen. Für die vollständige Übermittlung an Amazon brauchen Sie mindestens 1.9.6.1. Ältere Versionen lassen sich nur über Funktionsattribute behelfsmäßig nachrüsten.
Wie weise ich tausenden Artikeln eine verantwortliche Person zu?
Über den Import per JTL-Ameise, dem im JTL-Guide ein eigener Abschnitt gewidmet ist. Alternativ markieren Sie einen fertig gepflegten Artikel, kopieren die Stammdaten und fügen unter den selektierten Artikeln gezielt den Punkt verantwortliche Person ein. Eine direkte Exportfunktion für die verantwortliche Person gibt es nicht.
Warum überträgt JTL an Amazon nur die E-Mail-Adresse?
Das entspricht dem technischen Design von Amazon. Die Plattform gleicht die übermittelte E-Mail-Adresse mit den in Seller Central hinterlegten Kontaktdaten ab. Die vollständige Anschrift muss deshalb bereits dort gepflegt sein, und die E-Mail-Adresse muss in JTL-Wawi und Seller Central identisch sein.
Mein GPSR-Bereich erscheint nicht auf der Produktseite. Woran liegt das?
Das offizielle Plugin blendet den GPSR-Bereich aus, wenn der Artikel keine Hauptbeschreibung hat. Laut JTL-Support ist das kein Fehler, sondern soll die GPSR-Anforderung einer ausführlichen Beschreibung erfüllen. Pflegen Sie eine Beschreibung oder ändern Sie die Anzeigeposition im Plugin.
Reicht ein PDF-Download mit den Sicherheitshinweisen aus?
Nein. Die Informationen müssen gut sichtbar auf der Produktdetailseite stehen, also ohne Suche auffindbar sein. Ein reiner PDF-Link im Download-Bereich genügt dieser Anforderung nicht und deckt die rechtlichen Vorgaben nicht ab.

Ihre GPSR-Dokumente in wenigen Minuten.

Produkt hinzufügen, Sprachen wählen, technische Dokumentation, Risikobewertung und Etikett herunterladen. Kein Rechtsteam nötig.

Kostenlos startenPreise ansehen