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GPSR bei Shopify: Compliance für deutsche Shopify-Händler 2026

Shopify stellt keine eigenen GPSR-Tools bereit. So tragen Sie Herstellerangaben, Verantwortliche Person und Warnhinweise auf Ihren Produktseiten ein, ob manuell, per Metafield oder mit einer App.

EUProof12 Min. Lesezeit
Händlerin am Laptop in einem kleinen Lagerraum, sortiert verpackte Produkte mit Versandkartons im Hintergrund

Shopify ist als Plattform bequem. Bei der Produktsicherheitsverordnung, der Verordnung (EU) 2023/988, lässt sie Sie allerdings allein. Im Shopify-Hilfecenter steht es klar: Die Plattform bietet diesen Service nicht direkt an, Drittanbieter-Tools aus dem App Store seien möglich, und man solle einen Rechtsberater hinzuziehen. Anders als bei Amazon gibt es kein Pflichtfeld, das Sie zwingt. Die Verantwortung, die Pflichtangaben sauber auf jede Produktseite zu bringen, liegt vollständig bei Ihnen.

Die GPSR gilt seit dem 13. Dezember 2024 unmittelbar in allen Mitgliedstaaten der EU. Sie hat die alte Produktsicherheitsrichtlinie abgelöst und betrifft praktisch alle Non-Food-Verbraucherprodukte, einschließlich neuer, gebrauchter, reparierter, generalüberholter und recycelter Artikel. Eine Ausnahme für Kleinunternehmer oder Handmade-Ware gibt es nicht. Wenn Sie über Shopify physische Produkte an Verbraucher in der EU verkaufen, sind Sie in der Pflicht. Was die Sache für Shopify-Händler unbequem macht: Es gibt keine zentrale Maske, die Sie durch die Eingabe führt. Sie bauen die Compliance selbst in Ihr Theme ein.

Warum die Angaben direkt auf die Produktseite gehören

Der häufigste und teuerste Fehler im Shopify-Umfeld ist die falsche Platzierung. Viele Händler legen eine schöne GPSR-Seite an, verlinken sie im Footer und halten die Sache damit für erledigt. Sie ist es nicht. Die Pflichtangaben müssen direkt im Angebot stehen. Eine Verlinkung oder eine Datei zum Download ist nicht ausreichend. Das gilt für jede einzelne Produktseite, nicht für den Shop als Ganzes.

Das hat Konsequenzen. Fehlende Sicherheitshinweise oder Herstellerangaben haben in der Vergangenheit schon Abmahnungen ausgelöst. Die Abmahnkosten liegen je nach Abmahner zwischen 357 und über 1.600 Euro pro Verstoß. Seit das novellierte Produktsicherheitsgesetz am 19. Februar 2026 in Kraft getreten ist, kommen Bußgeld- und Straftatbestände für GPSR-Verstöße hinzu. Die Digitalisierung der Marktüberwachung erhöht zusätzlich die Entdeckenswahrscheinlichkeit von falschen oder fehlenden Kennzeichnungen. Ein verlinkter Hinweis im Footer schützt Sie also nicht, er dokumentiert im Zweifel sogar, dass Ihnen die Pflicht bekannt war.

Welche Pflichtangaben auf jede Produktseite gehören

Bevor Sie über die Technik nachdenken, brauchen Sie die Inhalte. Diese Angaben gehören sichtbar auf jede Produktseite:

  • Herstellername: Name, eingetragener Handelsname oder Marke, etwa „Vinzenz Verkäufer – Vinzentissmo".
  • Herstelleradresse: eine ladungsfähige Postanschrift, etwa „Murrweg 14, 67342 Shophausen, Deutschland". Ein Postfach genügt nicht.
  • Hersteller-Kontakt: eine erreichbare E-Mail-Adresse oder ein Kontaktformular, etwa „info@vinzentissmo.de".
  • Verantwortliche Person bei Nicht-EU-Herstellern: Name, Adresse und Kontakt einer in der EU niedergelassenen Stelle, etwa „EU-Rep GmbH, Musterstraße 1, 80331 München".
  • Produktidentifikation: Typen-, Chargen- oder Seriennummer, etwa „Modell ABC-123".
  • Warn- und Sicherheitshinweise: Altersbeschränkungen und Sicherheitswarnungen, etwa „Nicht für Kinder unter 36 Monaten geeignet".

Diese Kennzeichnungs- und Rückverfolgbarkeitspflichten ergeben sich aus Artikel 9 der Verordnung, konkret aus den Absätzen 5 bis 7. Dieselbe Vorschrift verlangt im Hintergrund die Risikobewertung und die technische Dokumentation, die Sie zehn Jahre aufbewahren müssen. Die Risikobewertung ist die Grundlage dafür, dass Sie überhaupt wissen, welche Warnhinweise ein Produkt braucht.

Ein verbreitetes Missverständnis betrifft die Konformitätserklärung. Eine förmliche Konformitätserklärung ist nur für harmonisierte Produkte mit CE-Kennzeichnung verpflichtend. Für reine GPSR-Ware ist sie eine Selbsterklärung, die ein Marktplatz anfordern kann, aber gesetzlich nicht vorgeschrieben ist. Sie müssen für einen Shopify-Shop also nicht zwingend ein solches Dokument erzeugen, sollten aber Ihre technische Dokumentation jederzeit vorlegen können.

Wer als Nicht-EU-Händler eine Verantwortliche Person braucht

Sitzt der Hersteller Ihrer Produkte außerhalb der EU, etwa weil Sie Ware aus China importieren oder als Reseller weiterverkaufen, dann muss eine in der EU niedergelassene Verantwortliche Person benannt sein. Das schreibt Artikel 16 der Verordnung vor. Ohne sie darf das Produkt nicht in Verkehr gebracht werden, und das gilt auch für den Verkauf über Shopify. Ihr Name und Ihre Kontaktdaten gehören mit auf die Produktseite.

Für viele kleine Händler ist genau das der schwierigste Punkt. Ein Verkäufer formuliert die Lage offen: „Ich finde keine klare Anleitung, wie man eine Verantwortliche Person bekommt. Das ist ein Albtraum für kleine Verkäufer." Wichtig zur Einordnung: EUProof erstellt Ihre GPSR-Dokumente, übernimmt aber selbst nicht die Rolle der Verantwortlichen Person. Welche Aufgaben diese Rolle hat und wer sie ausfüllen kann, lesen Sie im Beitrag zur Verantwortlichen Person. Typische Kosten für einen externen Vertreter liegen bei rund 150 bis 500 Euro pro Jahr.

Drei Wege, die GPSR-Daten in Shopify zu hinterlegen

Es gibt nicht den einen richtigen Weg. Welcher passt, hängt von der Größe Ihres Sortiments und Ihrem technischen Komfort ab.

Methode 1: Manuell in die Produktbeschreibung

Der einfachste Weg, ohne Zusatzkosten. Sie öffnen in Shopify Admin den gewünschten Artikel und tragen die Pflichtangaben direkt in die Produktbeschreibung ein: Herstellername, Adresse und E-Mail, bei Nicht-EU-Herstellern die Verantwortliche Person, die Chargen- oder Modellnummer und die Warnhinweise. Danach speichern, fertig.

Diese Methode eignet sich für kleine Sortimente bis etwa 50 Produkte. Der Nachteil: Bei jeder Adressänderung müssen Sie jedes Produkt einzeln anfassen. Achten Sie darauf, dass die Angaben im sichtbaren Beschreibungstext landen und nicht versehentlich in einem ausklappbaren Tab oder am Seitenende verschwinden.

Methode 2: Mit Shopify-Metafields

Metafields sind strukturierte Datenfelder, die Shopify mitbringt. Sie aktivieren Metafields im Admin, legen Felder für Hersteller, Verantwortliche Person, Warnhinweise und Chargennummer an und befüllen sie pro Produkt. Anschließend passen Sie Ihr Theme so an, dass die Metafields auf der Produktseite angezeigt werden.

Der Aufwand ist mittel, die Kosten sind keine. Der Vorteil gegenüber der reinen Beschreibung: Die Daten sind sauber getrennt und lassen sich später leichter pflegen oder exportieren. Der Theme-Eingriff erfordert etwas Erfahrung, ist aber überschaubar. Diese Methode passt zu mittleren Sortimenten.

Methode 3: Mit einer GPSR-App aus dem App Store

Für größere Sortimente oder mehrere Hersteller lohnt eine spezialisierte App. Sie installieren sie aus dem Shopify App Store, hinterlegen unter den Einstellungen die Daten Ihrer Hersteller und Ihrer Verantwortlichen Person, weisen jedem Produkt die passenden Herstellerdaten zu und aktivieren die Anzeige über ein Widget oder eine Theme-Sektion. Die meisten Apps bieten Bulk-Edit, also das gebündelte Befüllen vieler Produkte auf einmal.

Im App Store finden Sie mehrere Anbieter. Der EU GPSR Compliance Manager injiziert nach eigener Beschreibung ein leichtgewichtiges Widget ins Theme, ohne die Produktseiten zu überladen, und verspricht Anzeige überall ohne Theme-Bearbeitung. GPSReady verwaltet Hersteller und Verantwortliche Personen und kann GPSR-Daten gebündelt zu allen bestehenden und künftigen Produkten hinzufügen. simpleComply organisiert alle Pflichtangaben zentral über eine Produktübersicht mit Bulk-Edit. Die monatlichen Gebühren liegen meist im Bereich von etwa 10 bis 50 Euro. Wichtig: Eine App nimmt Ihnen die rechtliche Pflicht nicht ab. Sie erleichtert nur die Anzeige. Verantwortlich für Richtigkeit und Vollständigkeit bleiben Sie als Wirtschaftsakteur.

Die häufigsten Fehler bei Shopify-Händlern

Wer hier nachlässig agiert, riskiert Bußgelder. Diese fünf Fehler tauchen immer wieder auf:

  • Warnhinweise nur im Footer oder Impressum. Sie gehören in die Produktbeschreibung, nicht ans Seitenende.
  • Nur ein Link zur GPSR-Seite. Die Pflichtangaben müssen direkt auf der Produktseite stehen, nicht nur verlinkt.
  • Fehlende Herstellerdaten. Die Daten müssen für jedes Produkt angegeben werden, nicht einmal für den gesamten Shop.
  • Keine Chargennummer. Jedes Produkt oder jede Charge braucht eine eindeutige Identifikationsnummer.
  • Kein Vertreter für Nicht-EU-Produkte. Bei Herstellern außerhalb der EU ist eine Verantwortliche Person zwingend erforderlich.

Ein Detail zur Klarstellung: Reine digitale Dateien wie PDFs oder E-Books fallen grundsätzlich nicht in den Geltungsbereich der GPSR. Verkaufen Sie über Shopify also ausschließlich Downloads, betrifft Sie die Kennzeichnungspflicht für Produktseiten in der Regel nicht. Sobald Sie aber physische Ware versenden, gelten die Pflichten vollständig.

So bringen Sie Ihren Shopify-Shop sauber durch die Prüfung

Der praktische Weg ist überschaubar. Stellen Sie zuerst pro Produkt die Pflichtangaben zusammen. Entscheiden Sie sich für eine Methode, die zur Größe Ihres Sortiments passt. Sorgen Sie dafür, dass die Angaben sichtbar auf der Produktseite stehen, in der Desktop- und in der mobilen Ansicht. Und kontrollieren Sie das Ergebnis an einer Stichprobe veröffentlichter Seiten, bevor Sie sich zurücklehnen.

Die Dokumente im Hintergrund, Risikobewertung und technische Dokumentation, sind die Basis dafür, dass die Angaben auf der Seite überhaupt korrekt sind. Genau diese Unterlagen erstellt EUProof für Sie. Einen Überblick über alle Pflichten und den rechtlichen Rahmen geben der Leitfaden zur Produktsicherheitsverordnung und die Informationspflichten im Detail. Mit dem Prüf-Tool sehen Sie in zwei Minuten, ob und wie Ihre Produkte betroffen sind.

Dieser Beitrag ist eine allgemeine Orientierung und keine Rechtsberatung. Lassen Sie Ihre Pflichten von einer qualifizierten Fachperson oder Ihrer verantwortlichen Person prüfen.

Schritt für Schritt

  1. GPSR-Pflichtangaben pro Produkt zusammenstellen

    Sammeln Sie für jedes Produkt Herstellername, ladungsfähige Adresse und E-Mail, eine Chargen- oder Modellnummer und die nötigen Warnhinweise. Sitzt der Hersteller außerhalb der EU, ergänzen Sie die Daten Ihrer Verantwortlichen Person.

  2. Methode wählen: Beschreibung, Metafield oder App

    Bei kleinen Sortimenten tragen Sie die Angaben direkt in die Produktbeschreibung ein. Bei mittleren Sortimenten nutzen Sie strukturierte Metafields. Bei vielen Produkten installieren Sie eine GPSR-App mit Bulk-Edit aus dem App Store.

  3. Angaben direkt auf der Produktseite anzeigen

    Stellen Sie sicher, dass die Pflichtangaben im sichtbaren Bereich der Produktseite erscheinen, nicht im Footer und nicht nur als Link. Bei Metafields passen Sie dafür das Theme an, bei Apps aktivieren Sie das Widget oder die Sektion.

  4. Stichprobe im Live-Shop prüfen

    Öffnen Sie mehrere veröffentlichte Produktseiten und kontrollieren Sie, ob Hersteller, Kontakt, Identifikationsnummer und Warnhinweise tatsächlich angezeigt werden. Prüfen Sie auch die mobile Ansicht.

Häufige Fragen

Hat Shopify eine eingebaute GPSR-Funktion?
Nein. Shopify stellt selbst keine GPSR-Tools bereit. Im Shopify-Hilfecenter heißt es ausdrücklich, die Plattform biete diesen Service nicht direkt an, Drittanbieter-Apps aus dem App Store seien möglich, und man solle einen Rechtsberater hinzuziehen. Sie müssen die Pflichtangaben also selbst integrieren, manuell, per Metafield oder mit einer spezialisierten App.
Reicht es, die GPSR-Angaben auf einer eigenen Seite zu sammeln und zu verlinken?
Nein. Die Pflichtangaben müssen direkt im Angebot stehen. Eine Verlinkung oder eine Datei zum Download ist nicht ausreichend. Eine zentrale GPSR-Seite ist als Ergänzung in Ordnung, ersetzt aber nicht die Angaben auf jeder einzelnen Produktseite.
Welche Angaben muss eine Shopify-Produktseite enthalten?
Herstellername und ladungsfähige Postanschrift, eine erreichbare E-Mail-Adresse, eine Produktidentifikation wie Typen-, Chargen- oder Seriennummer sowie die nötigen Warn- und Sicherheitshinweise. Sitzt der Hersteller außerhalb der EU, kommt eine in der EU niedergelassene Verantwortliche Person mit Name, Adresse und Kontakt hinzu.
Brauche ich als Shopify-Händler eine GPSR-App, oder geht es auch ohne?
Es geht auch ohne. Bei kleinen Sortimenten unter etwa 50 Produkten reicht der manuelle Eintrag in die Produktbeschreibung. Metafields eignen sich für mittlere Sortimente, eine App lohnt sich, wenn Sie viele Produkte oder mehrere Hersteller verwalten und Bulk-Edit brauchen. Die App nimmt Ihnen die Pflicht nicht ab, sie erleichtert nur die Anzeige.
Was kostet mich ein Verstoß gegen die GPSR im Shopify-Shop?
Fehlende Sicherheitshinweise oder Herstellerangaben haben in der Vergangenheit schon Abmahnungen ausgelöst. Die Abmahnkosten liegen je nach Abmahner zwischen 357 und über 1.600 Euro pro Verstoß. Hinzu kommen seit dem novellierten Produktsicherheitsgesetz Bußgeld- und Straftatbestände für GPSR-Verstöße.

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